Interview über Dankbarkeit

Der langjährige ärztliche Leiter der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauergg, Mediziner, Psychiater und Psychotherapeut Prof. Werner Schöny, spricht über wir die Bedeutung von Wertschätzung und Dankbarkeit für Menschen, Gesellschaft und Wirtschaft.

Über 42 Jahre hinweg prägte der Mediziner, Psychiater und Psychotherapeut Prof. Werner Schöny als langjähriger medizinischer Leiter die Entwicklung der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg und  jene der Psychiatrie in Oberösterreich maßgeblich mit. Seit 1988 ist Schöny auch Obmann der pro mente OÖ.  Schöny tritt von jeher als ein unermüdlicher Kämpfer gegen die Stigmatisierung von Menschen mit psychischer Beeinträchtigung auf und ist mit diesem Anliegen immer wieder auch medial präsent.

Die App „thx for“ startet am 16.09.16 und ist eine neue Form der Kommunikation und bildet besondere Momente in unserem Leben ab. Sie ist auch eine Plattform, auf der Wertschätzung und Anerkennung – beruflich und privat - eine neue Bühne bekommen. Was wird dies aus Ihrer Sicht bei den Menschen bewirken?

SCHÖNY: Wertschätzung und Anerkennung wirken auf die Verfassung und die Psyche von Menschen präventiv und positiv. Resilienz und Widerstandskraft werden bei uns Menschen dadurch deutlich gestärkt! Ich bin davon überzeugt, dass Wertschätzung als Teil der Unternehmenskultur ein nicht zu unterschätzender Faktor  ist – auch für die Wertschöpfung im Unternehmen. Heute macht sich die Haltung breit, alles sei ohnehin selbstverständlich und müsse nicht ausdrücklich bedankt werden. Wertschätzung hat in Unternehmen eine besondere Wirkung und ist sogar produktiv.

Die Ärztekammer spricht von 500.000 Burn-Out-Fällen in Österreich und einer hohen Dunkelziffer. Neben dem persönlichen Leid ist auch der wirtschaftliche und volkswirtschaftliche Schaden hoch. Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht mangelnde Wertschätzung bei dem in den vergangenen Jahren so häufig diskutierten Phänomen des „Burn Out“?

SCHÖNY: In jeder Diskussion im Zusammenhang mit Burn Out oder Überlastungsdepression kristallisiert sich heraus, dass bei den Betroffenen immer auch mangelhaft empfundene Wertschätzung für die eigene Leistung mitschwingt und einen großen Anteil an der Krankheit hat. Hier müssen aber immer alle Faktoren – auch die privaten – miteinbezogen werden. Warum gibt es Menschen, die viel leisten und kein Burn Out bekommen? Weil sie auch viel Anerkennung dafür bekommen, so einfach ist das!

Kann Wertschätzung eigentlich nur von oben nach unten gegeben werden – also vom Chef hin zu den Mitarbeiterinnen?

SCHÖNY: Für mich ist Wertschätzung keine Einbahnstraße. Die Realität zeigt aber, dass Führungskräfte kaum Anerkennung bekommen, sie sind mitunter sehr einsam in ihrem Job.  Ein Tool wie thx for, das Wertschätzung und Anerkennung von den Mitarbeitern auch an den Chef leitet, würde in die Etagen, in denen die Luft sprichwörtlich dünn ist, was Wertschätzung angeht, ein wenig frischen Wind bringen. 

„Jeder Beitrag, die Wertschätzung zwischen Menschen zu erhöhen, ist ein positiver Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung und zur Entwicklung jedes Einzelnen.“

Prof. Werner Schöny über Dankbarkeit Gruppenfoto